BrainHearing von OTICON

Seit geraumer Zeit beobachte ich, daß die Technik wirklich sehr ausgereift ist und es immer schwerer ist, den Kunden die Vorteile neuer Hörgeräte-Modelle nahe zu bringen. Klar bringt Vernetzung z.B. mit SmartPhones viele Vorteile – aber doch eher nicht für die Masse der Hörgeräteanwärter, denn die sind Mitte Siebzig oder noch zehn Jahre älter und nicht so sehr an technischem „Schnickschnack“ interessiert, wie uns die Hochglanzbroschüren der Marktingabteilung der Hersteller glauben machen wollen. Die wirkliche Herausforderung gerade in dieser Hauptgruppe der Hörgeräte-Anfänger ist, wie wir Akustiker das über Jahre vernachlässigte Hörzentrum wieder aktivieren und entlasten können, so daß möglichst sofort Erfolge im Verstehen erlebt werden. Diese sind schließlich entscheidend für die Motivation sich trotz mangelnden Sehvermögens, eingeschränkter Fingerfertigkeit und allerhand anderer Zipperleins mit so etwas Lästigem wie Hörgeräten abzugeben. Oticon als audiologisch führender Hersteller hat im vergangenen Jahr mit seiner neuesten Chipgeneration (Produkte: Alta2, Nera2 und Ria2) endlich genügend Rechenpower zur Verfügung um eine gehirngerechte Signalvorverarbeitung zu realisieren. Die dabei angewandten Strategien werden unter dem Begriff

BrainHearing

zusammengefaßt und umfassen z.B.

– Raumklang:

Binaurale Signalverabung stellt sicher, daß das Gehirn Informationen von beiden Ohren besser nutzen kann (Wird durch intensiven Datenaustausch per Funk von einem zum anderen Hörgerät realisiert)

– Speech Guard:

Erhält Klangdetails, die insbesondere für eine Stimme charakteristisch ist. Somit kann der Nutzer sich leichter auf eine Stimme konzentrieren – auch in schwierigen Hörsituationen. Die Höranstrengung wird vermindert.

– Direktionalität:

Unterstützt das Gehirn sich auf Wichtiges zu fokussieren (da man ja i.d.R. seinen Gesprächspartner anschaut) und Geräusche in der Umgebung auszublenden.

– YouMatic:

Gestattet dem Akustiker etliche Automatikfunktionen individuell einzustellen und ermöglicht somit eine unerreicht individuelle Anpassung an den Kunden.

Zusammen mit einfachen Eingangstests ermöglicht somit die BrainHearing-Technologie die Hörsysteme sehr zielgenau auf das individuelle Verarbeitungsvermögen des Kunden einzustellen – was gerade bei „Späteinsteigern“ sehr wichtig ist (s.o.).

Diese Technologie ist in allen Bauarten verfügbar und diese sind unverändert wie bei Agil beschrieben. Erwähnt werden muß noch, daß alle beschriebenen Technologien zum Erleichtern des Hörens und Verstehens selbstredend nur im Spitzenprodukt Alta2 zur Verfügung stehen. Ich würde also immer dazu raten, dieses wenigstens zu erproben. Neu ist, daß Oticon inzwischen neben dem Streamer (neue Generation!) zur Vernetzung auch eine praktische kleine Fernsteuerung anbietet. Auch für sehr kleine IdOs (CICs), was ja bisher nicht möglich war. Das bringt viel Komfort.

Unsere Erfahrungen mit diesen neuen Oticon-Produkten mit BrainHearing-Technologie sind sehr erfreulich!

Bild: Oticon

Roland Timmel

Roland Timmel

Hörgeräteakustikermeister bei Hörgeräte Dr. Timmel
Hallo, ich bin Roland Timmel – Dr.-Ing. für Technische Akustik und selbständiger Hörgeräteakustikermeister in Neustrelitz (Mecklenburg).
Roland Timmel

Letzte Artikel von Roland Timmel (Alle anzeigen)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.