CROS-II von Phonak

 

CROS (contralateral routing of signal) gibt es ja schon seit Jahrzehnten um das Signal von einer tauben (oder sehr schlechten) Ohrseite zum besser hörenden (oder normalhörenden) Ohr zu bringen. Es führt nicht zum normalen Stereo-Hören, weil ja dann die Signale beider Ohrseiten von einem Ohr aufgenommen und zum Hörzentrum geleitet werden. Deswegen ist das Richtungshören und das Verstehen im Störlärm nicht so gut wie mit zwei Ohren, aber es ermöglicht wenigstens die Ansprache von der „schlechten“ Seite. Dort befindet sich in jedem Fall ein Mikrofon und auf der „guten“ Seite ein Hörgerät. Ist das „gute“ Ohr auch verstärkungsbedürftig, wird auf der „guten“ Seite auch ein Mikrofon aktiviert und eine angemessene Verstärkung im Empfangsteil realisiert. Dann sprechen wir von BICROS.

Als Kabellösung (hinter dem Nacken lang) zwischen zwei HdOs gibt es das schon seit Jahrzehnten. Es ist billig und wird deshalb als „Kassenlösung“ immer noch angeboten. Allerdings ist es unpraktisch mit einem Kabel im Nacken rumzulaufen und auch sehr störanfällig, weil die Kabel und Steckverbindungen bei aktiven Menschen stark strapaziert werden. Erste Funk-Lösungen gab es schon in den Neunziger Jahren. Diese hatten allerdings zumeist unzureichende Qualität (Funkrauschen, Zuverlässigkeit). Seit ein paar Jahren gibt es digitalen Funk-CROS.

Mit CROS-II hat Phonak im Herbst 2015 ein wirklich ausgereiftes System vorgestellt. Es gibt nicht nur HdO-Modelle, sondern auch IdO-Lösungen (Batteriegröße 312 und 13). Das geniale daran ist, daß jedes wireless-fähige Hörgerät der Venture-Generation als empfangendes Hörgerät eingesetzt werden kann. Gleichzeitig ist das System weiterhin an das gesamte Funkzubehör koppelbar (Fernsteuerung, Wireless-Telefon, TV- und Multimedia-Anbindung, Handykopplung usw.) Das ist zurzeit einzigartig.

Ich habe mit zwei Kunden in den letzten Wochen sehr gute Erfahrungen machen dürfen und empfehle es gern weiter.

Bild: Phonak

Roland Timmel

Roland Timmel

Hörgeräteakustikermeister bei Hörgeräte Dr. Timmel
Hallo, ich bin Roland Timmel – Dr.-Ing. für Technische Akustik und selbständiger Hörgeräteakustikermeister in Neustrelitz (Mecklenburg).
Roland Timmel

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6 Kommentare zu “CROS-II von Phonak

  1. Ich trage Phonak Cros (erste Version). Welche Vorteile hat CROS II gegenüber der früheren Version? Ist eine Neuanschaffung sinnvoll (zu welchem Preis)?

    1. Hallo Herr Katowski,
      meines Wissens nach hat diese Weiterentwicklung ein neues Betriebssystem, welches sicher neue, bessere Automatikfunktionen hat und Sprache und Lärm besser trennen kann. Weiterhin gibt´s das jetzt auch in IdO-Bauform. Ansonsten kann ich Ihnen nicht sagen, ob das für Sie mehr bringt. Bitten Sie doch einfach Ihren Akustiker, es Ihnen probehalber anzupassen. Danach wissen Sie, ob sich eine Neuanschaffung lohnt.
      MfG Roland Timmel

  2. Ich habe ein hochpreisiges Gerät von Phonak (hinter dem Ohr). Wie oben beschrieben war die Batterie schon nach Stunden leer. Dann Überprüfung und Wechsel von Komponenten (180€) ohne Ergebnis.
    Es stellte sich heraus, dass durch schwitzen ein Kurzschluss hervorgerufen wurde. Das Gerät ist im Sommer unbrauchbar und das für 1800€. 🙁

    1. Hallo Falco,
      tut mir leid, dies zu erfahren. Tatsache ist, daß alle führenden Hersteller inzwischen Produkte nach IP-57 (staub- und spritzwassergeschütz) anbieten. Insofern gibt es große Fortschritte. Wenn Sie nun eine andere Erfahrung gemacht haben, so haben Sie entweder Pech (Montagsprodukt) oder Dauerschweiß – dann brauchen Sie vielleicht eine andere Bauform (z.B. IdO).
      MfG Roland Timmel

  3. Ich trage AUDIO Smart 3 Phonak links Rechts Cros BTE
    Jeden Tag eine Batterie ist das normal? Ein Ohr ist sehr schlecht Rechts..
    Bei nebengeräuschen ganz schlecht. Was hilft?

    1. Hallo Frau/Herr Klebs,
      die von Ihnen benannten Geräte benutzen 312er Batterien. Dieser Batterietyp läuft meist so um die 100 Stunden mit guten Markenbatterien (nicht mit billiger Asien-Ware). Unter ungünstigen Bedingungen (7.B. extremer Hörverlust) vielleicht nur 75 Stunden – keinesfalls so kurz wie Sie das mitteilen. Mein Tipp: Lassen Sie die Geräte beim Akustiker überprüfen. Notfalls muß er sie zum Hersteller einschicken. Akzeptabel ist das jedenfalls nicht.
      MfG Roland Timmel

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