Bauform IdO oder HdO?

Im-Ohr-Geräte (IdO) haben gegenüber Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO)

Vorteile:

– Es kommt nichts hinter das Ohr, was mit der Brille „kämpfen“ könnte.
– Schweiß fällt eher hinter dem Ohr an, als in der Ohrmuschel.
– Die Position der Schallaufnahme entspricht besser der natürlichen Position – das ergibt besseres Richtungshören und natürlicheren Klang, denn die Ohrmuschel behält hier noch ihre akustische Funktion.
– Es behindert körperliche Aktivitäten (Pullover über den Kopf ziehen, Sport usw.) überhaupt nicht.
– Wenn das IdO klein ist und tief im Gehörgang sitzen kann, gibt es kaum zusätzliche Windgeräusche.
– Wenn es tief sitzen kann, ist es praktisch unsichtbar (zumindest von vorn).
– Das Einsetzen geht zumeist einfacher.

und Nachteile:

– Wer viel Ohrenschmalz produziert, bei dem verstopfen die IdOs häufig. Trotz Hörerschutz durch Siebe führt das vermehrt zu Ausfällen u. teilweise teuren Reparaturen.
– Die Reinigung ist filigraner.
– Durch die komplett individuelle Fertigung sind sie teurer als HdOs mit dem gleichen Chip.
– Durch die kleinere Bauform können keine großen Batterien benutzt werden – das erhöht die Batteriekosten etwas.
– Ebenso gibt es weniger Platz für Bedienelemente. Ausweg sind Automatik (ohnehin fast Standard) und Fernsteuerung (die allerdings Geld kostet).
– Für hochgradige Schwerhörigkeiten gibt es Leistungseinschränkungen – HdOs sind doch noch stärker und pfeifen weniger.

Zusammenfassend meine ich, daß die meisten Kunden  IdOs benutzen könnten und auch sollten. Auch IdOs lassen sich inzwischen unverbindlich (ohne Individualbau) testen. Somit sind die wesentlichen Kritikpunkte aus dem Weg geräumt. Und schließlich wollen Hörgeräte-Einsteiger von jeher lieber ein kleine IdO als ein HdO. Früher mußten wir Akustiker es Ihnen oftmals versagen. Jetzt sollten wir es wagen!



4 Kommentare zu “Bauform IdO oder HdO?

  1. Ich stehe vor dem Kauf meiner 2. Versorgung und habe den Preis für die obere Mittelklasse nie bereut, weil damit hörbar bessere Qualität verbunden war. Da ich meine Widex Systeme jetzt erstaunlicherweise nur mit einer Reparatur für ca 350 € neun Jahre lang trage komme auf Kosten von ca 300 € im Jahr. Diesem Preis steht ein hoher Gewinn an Lebensqualität gegenüber, der unbezahlbar ist: soziale Teilhabe !

    1. PS werde mich jetzt auf iO Geräte orientieren, da diese sehr dezent sind, wobei auch hdO Geräte schick sein können. Noch eine Erfahrung: bitte nicht an der Ohrplastik sparen, erst die bringt es, weil damit der Hörraum reguliert werden kann. Ich behaupte sogar, dass ohne diese Stücke kein verlässliches Probetragen möglich ist. Weil es auch um die Kosten geht, so bleibt noch die Steuererklärung , um dort Sonderausgaben für die Anschaffungskosten geltend zu machen.

  2. Alles soweit gut und nett mit der grndsätzlichen Beratung auf Ihreren Seiten. Bis jetzt habe ich noch keine Bemerkung über die Kosten gefunden. meines Wissens ersetzt die ges. Krankenkasse nur Kosten für die allereinfachste (und ziemlich schlechte) Versorgung.
    Dazu würde ich gerne auch Empfehlungen lesen.
    Danke.

    1. Hallo Herr Pfeifer,
      ich vermeide die Kostenfrage, weil ich mich auf nur auf anderen Punkte konzentrieren möchte. Die Kostenfrage führt unweigerlich zu Preis-Diskussionen. Und Preise sind nun mal in einem so großen Markt (viele Produkte, viele Anbieter) verschieden. Grundsätzlich ist es (zumindest in Deutschland in Verbindung mit gesetzlichen Krankenkassen) ja so, daß Hörgeräte nur im Paket mit umfangreicher Dienstleistung und 6 Jahren Nachbetreuung verkauft werden. Die Schätzungen schwanken von 7 – 10 Arbeitsstunden. Rechnen Sie vielleicht 70 Euro pro Stunde, dann dürfte ja wohl klar sein, daß ein Krankenkassenbetrag von ca. 400 Euro für jeden ehrlich und gründlich arbeitenden Akustiker ein Zuschußgeschäft ist. Da auch die billigsten Hörgeräte einen Einkaufspreis haben, muß also an der Dienstleistung gespart bzw. diese Versorgungen quersubventioniert werden. Was wollen Sie für solche Versorgungen an Hörqualität erwarten? Also bedingt durch die einfache (wenngleich auch digitale) Technik (keine Lautstärkeautomatik, keine Richtmikrofone, keine Zusatzprogramme) sind diese Geräte meist nur in ruhigen, übersichtlichen Situationen hilfreich. Der Benutzer muß sie selbst öfter nachregulieren, was für die meisten Leute unpraktisch u. für einige auch unmöglich ist. Das Problem von Erstbenutzern ist, daß sie denken, daß 400 Euro doch viel Geld ist. Sie haben aber keine Ahnung von den umfangreichen und zeitaufwendigen Arbeiten und von den vielen Möglichkeiten besserer Technik. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß erfahrene Hörgeräte-Benutzer nur billig kaufen, wenn sie tatsächlich kein Geld haben. Alle anderen kaufen aus gutem Grund höherwertig. Schwierig wird es, wenn die Hoffnungen unerfahrener Konsumenten billig zu einem hochwertigen Hörgerät zu kommen, durch gezielte Desinformation gestärkt werden, auch wenn es offensichtlich unsinnig ist. Aber so funktioniert auch Werbung. Hat Fielmann ja bei Brillen über viele Jahre vorgemacht. Letztlich ist jeder Konsument seines Glückes Schmied.

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