Bauform IdO oder HdO?

Im-Ohr-Geräte (IdO) haben gegenüber Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO)

Vorteile:

– Es kommt nichts hinter das Ohr, was mit der Brille „kämpfen“ könnte.
– Schweiß fällt eher hinter dem Ohr an, als in der Ohrmuschel.
– Die Position der Schallaufnahme entspricht besser der natürlichen Position – das ergibt besseres Richtungshören und natürlicheren Klang, denn die Ohrmuschel behält hier noch ihre akustische Funktion.
– Es behindert körperliche Aktivitäten (Pullover über den Kopf ziehen, Sport usw.) überhaupt nicht.
– Wenn das IdO klein ist und tief im Gehörgang sitzen kann, gibt es kaum zusätzliche Windgeräusche.
– Wenn es tief sitzen kann, ist es praktisch unsichtbar (zumindest von vorn).
– Das Einsetzen geht zumeist einfacher.

und Nachteile:

– Wer viel Ohrenschmalz produziert, bei dem verstopfen die IdOs häufig. Trotz Hörerschutz durch Siebe führt das vermehrt zu Ausfällen u. teilweise teuren Reparaturen.
– Die Reinigung ist filigraner.
– Durch die komplett individuelle Fertigung sind sie teurer als HdOs mit dem gleichen Chip.
– Durch die kleinere Bauform können keine großen Batterien benutzt werden – das erhöht die Batteriekosten etwas.
– Ebenso gibt es weniger Platz für Bedienelemente. Ausweg sind Automatik (ohnehin fast Standard) und Fernsteuerung (die allerdings Geld kostet).
– Für hochgradige Schwerhörigkeiten gibt es Leistungseinschränkungen – HdOs sind doch noch stärker und pfeifen weniger.

Zusammenfassend meine ich, daß die meisten Kunden  IdOs benutzen könnten und auch sollten. Auch IdOs lassen sich inzwischen unverbindlich (ohne Individualbau) testen. Somit sind die wesentlichen Kritikpunkte aus dem Weg geräumt. Und schließlich wollen Hörgeräte-Einsteiger von jeher lieber ein kleine IdO als ein HdO. Früher mußten wir Akustiker es Ihnen oftmals versagen. Jetzt sollten wir es wagen!



8 Kommentare zu “Bauform IdO oder HdO?

  1. Hallo Dr. Timmel, mir scheint Sie kennen sich mit Hörsystemen sehrgut aus,deshalb frage ich Sie,gibt es so etwas wie die „S-Klasse“ unter den Hörgeräten ?
    MfG fj schilling

    1. Hallo Herr Schilling,
      diese Frage ist pauschal nicht zu beantworten. Es gibt geschätzt über 2500 Hörgeräte-Modelle, weil es sehr viele verschiedene Anforderungsprofile und Vorlieben gibt. Selbst zwei Menschen mit identischen Hörkurven würden wahrscheinlich aufgrund unterschiedlichen Klangempfindens zu verschiedenen Lösungen finden. Natürlich gibt es audiologisch führende Firmen, wie z.B. Oticon, Phonak, Widex, Sivantos (ehemals Siemens), Starkey und dann auch Firmen, die eher der zweiten Reihe zugeordnet werden. Nicht alle Firmen sind bei allen Bauarten stark, sondern haben ihre Schwerpunkte. Das beste ist, Sie suchen sich einen erfahrenen Akustiker in Ihrer Nähe und besprechen alle Ihre Wünsche vertrauensvoll und gründlich. Der wird Sie dann zu einem geeigneten Produkt führen. Bei der Erprobung empfehle ich immer zuerst die Premiummodelle verschiedener Hersteller zu vergleichen um die passende Elektronik (Klang, Verstehen, Höranstrengung) zu finden. Dann geht´s zu den Feinheiten wie Bauform, Größe, Otoplastik usw.
      Ich wünsche viel Erfolg!
      Roland Timmel

  2. Soll Hilfe kommen, so kommt sie nur von Ihnen !
    Sehr geehrter Herr Dr. Timmel,
    ich trage z, Zt die Alta Geräte von Oticon. Um Fernsehen besser zu verstehen, habe ich im Test den Adapter u. Streamer von Oticon, der den Fernsehton drahtlos in die Hörgeräte überträgt. Eignen sich diese Geräte auch für andere Hörgeräte oder sind diese speziell nur auf Oticon abgestellt.
    Gibt es vielleicht Geräte die für „alle“ Hörgeräte die Töne vom Fernseher und Telefon drahtlos
    übertragen ?
    Für eine kurze Info wäre ich Ihnen dankbar.

    Gruß aus Buxtehude

    Werner Dobelstein

    1. Hallo Herr Dobelstein,
      bitte entschuldigen Sie die Verspätung – habe erst heute Ihre Anfrage gesehen. Bisher waren alle Lösungen der verschiedenen Hersteller verschieden und gingen dann nur mit deren Hörgeräten. Seit Kurzem etabliert sich die direkte Bluetooth-Fähigkeit von Hörgeräten. Das wird zur Folge haben, daß die Situation langsam besser wird. Ansonsten gibt´s noch die universelle Möglichkeit über die T-Spule. Da nimmt man eine Funklösung z.B. von Sennheiser mit einem Empfänger, der eine Induktionsschlinge „antreibt“. Die Hörgeräte empfangen dann den Ton induktiv – allerdings nur in Mono.
      Ihr Akustiker sollte Ihnen das alles noch ausführlicher erläutern können.
      MfG Roland Timmel

  3. Ich stehe vor dem Kauf meiner 2. Versorgung und habe den Preis für die obere Mittelklasse nie bereut, weil damit hörbar bessere Qualität verbunden war. Da ich meine Widex Systeme jetzt erstaunlicherweise nur mit einer Reparatur für ca 350 € neun Jahre lang trage komme auf Kosten von ca 300 € im Jahr. Diesem Preis steht ein hoher Gewinn an Lebensqualität gegenüber, der unbezahlbar ist: soziale Teilhabe !

    1. PS werde mich jetzt auf iO Geräte orientieren, da diese sehr dezent sind, wobei auch hdO Geräte schick sein können. Noch eine Erfahrung: bitte nicht an der Ohrplastik sparen, erst die bringt es, weil damit der Hörraum reguliert werden kann. Ich behaupte sogar, dass ohne diese Stücke kein verlässliches Probetragen möglich ist. Weil es auch um die Kosten geht, so bleibt noch die Steuererklärung , um dort Sonderausgaben für die Anschaffungskosten geltend zu machen.

  4. Alles soweit gut und nett mit der grndsätzlichen Beratung auf Ihreren Seiten. Bis jetzt habe ich noch keine Bemerkung über die Kosten gefunden. meines Wissens ersetzt die ges. Krankenkasse nur Kosten für die allereinfachste (und ziemlich schlechte) Versorgung.
    Dazu würde ich gerne auch Empfehlungen lesen.
    Danke.

    1. Hallo Herr Pfeifer,
      ich vermeide die Kostenfrage, weil ich mich auf nur auf anderen Punkte konzentrieren möchte. Die Kostenfrage führt unweigerlich zu Preis-Diskussionen. Und Preise sind nun mal in einem so großen Markt (viele Produkte, viele Anbieter) verschieden. Grundsätzlich ist es (zumindest in Deutschland in Verbindung mit gesetzlichen Krankenkassen) ja so, daß Hörgeräte nur im Paket mit umfangreicher Dienstleistung und 6 Jahren Nachbetreuung verkauft werden. Die Schätzungen schwanken von 7 – 10 Arbeitsstunden. Rechnen Sie vielleicht 70 Euro pro Stunde, dann dürfte ja wohl klar sein, daß ein Krankenkassenbetrag von ca. 400 Euro für jeden ehrlich und gründlich arbeitenden Akustiker ein Zuschußgeschäft ist. Da auch die billigsten Hörgeräte einen Einkaufspreis haben, muß also an der Dienstleistung gespart bzw. diese Versorgungen quersubventioniert werden. Was wollen Sie für solche Versorgungen an Hörqualität erwarten? Also bedingt durch die einfache (wenngleich auch digitale) Technik (keine Lautstärkeautomatik, keine Richtmikrofone, keine Zusatzprogramme) sind diese Geräte meist nur in ruhigen, übersichtlichen Situationen hilfreich. Der Benutzer muß sie selbst öfter nachregulieren, was für die meisten Leute unpraktisch u. für einige auch unmöglich ist. Das Problem von Erstbenutzern ist, daß sie denken, daß 400 Euro doch viel Geld ist. Sie haben aber keine Ahnung von den umfangreichen und zeitaufwendigen Arbeiten und von den vielen Möglichkeiten besserer Technik. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß erfahrene Hörgeräte-Benutzer nur billig kaufen, wenn sie tatsächlich kein Geld haben. Alle anderen kaufen aus gutem Grund höherwertig. Schwierig wird es, wenn die Hoffnungen unerfahrener Konsumenten billig zu einem hochwertigen Hörgerät zu kommen, durch gezielte Desinformation gestärkt werden, auch wenn es offensichtlich unsinnig ist. Aber so funktioniert auch Werbung. Hat Fielmann ja bei Brillen über viele Jahre vorgemacht. Letztlich ist jeder Konsument seines Glückes Schmied.

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