Software-Qualität

Hörgeräte-Test: Welchen Einfluß hat die Software?

Wie bei vielen modernen Geräten wird die Leistungsfähigkeit mehr und mehr von der „eingebauten Intelligenz“ bestimmt. Diese „eingebaute Intelligenz“ nennen wir Software.

Bei Hörgeräten gibt es zwei Arten von Software:

1. Die Software zum eigentlichen Betrieb – die sogenannte Firmware

Diese Software definiert, was das Hörgerät so alles kann, z.B.

– die Art der Signalverarbeitung (wie z.B. Töne oder Sprache verstärkt wird) ,

– die Bedienmöglichkeiten für den Benutzer,

– die Anzahl möglicher Benutzerprogramme usw.

d.h. die sogenannten Features. Die Firmware ist sehr eng mit der Hardware verknüpft. Interessant ist, daß moderne Hörgeräte oftmals per Firmware-Update aufgewertet werden können. Das ermöglicht dem Akustiker seinem Kunden auch noch Jahre nach dem Kauf das Hörgerät „zu verbessern“.

2. Die Einstell-Software für den Akustiker (sogenannte Fitting-Software)

Diese Software entscheidet, wie gut der Akustiker das Hörgerät für die individuellen Bedürfnisse einrichten kann. Digitale, per PC einstellbare Hörgeräte sind inzwischen Standard geworden. Diese Hörgeräte haben intern etliche hundert Einstellmöglichkeiten (sogenannte Parameter). Diese vielen Eintellmöglichkeiten wären für einen Akustiker im praktischen Einsatz nicht überschaubar. Deshalb schränkt jeder Hersteller die Einstellmöglichkeiten für den Akustiker ein. Wie gut er die praktisch verwendbaren Möglichkeiten in seiner Software für den Akustiker darbietet ist entscheidend dafür, ob die Hörgeräte-Anpassung gut gelingt. Schließlich muß die Software gut bedienbar sein, damit sich der Akustiker voll und ganz auf die individuellen Bedürfnisse seines Kunden konzentrieren kann. Die Bedienbarkeit nennt man auch Software-Ergonomie. Die Komplexität der Software macht verständlich, daß natürlich der Akustiker auch eine gewisse Übung mit der Software haben muß. Es ist kaum vorstellbar, daß ein Akustiker alle am Markt verfügbaren Fitting-Module sicher beherrscht. Da jeder Hersteller mehrere Produktfamilien mit etlichen Mitgliedern anbietet ergeben sich weit über 1000 verfügbare unterschiedliche Hörgerätemodelle. (Manche Schätzungen reichen sogar an 2000 heran – soviele Modelle kann kein Akustiker genau kennen, geschweige denn selbst schon vielfach angepaßt haben)

5 Kommentare zu “Software-Qualität

  1. Hallo Herr Timmel !
    Nun ist es soweit, dass ich auch ein Hörgerät benötige. Dementsprechend lese ich seit geraumer Zeit im Internet soviel wie möglich über die Gerätehersteller, die technischen Leistungsmerkmale, die Preise etc. Alles sehr interessant.
    Die beste Übersicht über das Thema – ab jetzt ein Hörgerät – habe ich bei Ihnen insbesondere in Ihrer Korrespondenz mit Ihren Blog Teilnehmern gefunden. Danke dafür!!! Wenn ich nicht im PLZ Bereicch 6 beheimatet wäre, würde ich Ihre Beratung vor Ort in Anspruch nehmen.. Ich wünsche Ihnen weiter viewl erfolg!
    Mit freundlichen Grüßen
    Remllov

    1. Hallo Bobir,
      Hörgeräte sind Medizin-Produkte, mit denen man auch das Gehör schädigen kann, wenn sie falsch angewandt werden. Deshalb gibt´s die Software nur für Vertragspartner der Hersteller (zugelassene Akustik-Betriebe). Abgesehen davon braucht´s noch ein wenig Programmier-Hardware und die Software ist für Laien meines Erachtens unverständlich. Gehen Sie zum Akustiker, der macht Ihnen das ordentlich.
      MfG Roland Timmel

  2. Ja, technisch ist das zumindest bei Hinter-dem-Ohr-Geräten möglich. Allerdings muß das Gerät für den neuen Patienten (z.B. Erben) auch passen. Das ist möglich, aber sehr wahrscheinlich nicht optimal. Es gibt ja deshalb soviele verschiedene Typen, weil Hören sehr individuell funktioniert. Natürlich sind Kompromisse manchmal nötig. Aber wer trägt gern ein z.B. 2 Jahre lang benutztes Gerät eines fremden Verstorbenen? Vielleicht die Witwe oder der Sohn. Aber sonst verbietet sich das aus hygienischen Gründen. Mit Krankenkassenbeteiligung geht sowas ohnehin nicht. Also bleibt nur eine Privatregelung. Dann wird natürlich ein Akustiker für evtl. nötige Aufarbeitung des Gerätes, Untersuchungen am neuen Kunden, Beratung, Anpassung Geld verlangen. Zurecht nicht wenig, denn das ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit. Und die Nachbetreuung? Wird dann auch privat bezahlt. Ob sich das lohnt? Aber sprechen kann man ja mal darüber mit dem Akustiker. Meist ist es besser, mit Krankenkassenbeteiligung ein neues Gerät zu erwerben und das alte zu spenden. Etliche Kollegen machen Sammlungen für kostenlose Hörgeräteversorgungen z.B. in weißrussischen Waisenhäusern u.ä.

  3. hallo herr timmel,
    zunächst ein lob für ihre informative seite!
    wir müssen uns aus gegebenem anlass mit dem kauf eines hörgerätes befassen.
    ist es eigentlich möglich, die modernen, digitalen hörgeräte für neue patienten zu konfigurieren? bei den hohen preisen scheint es doch sinnvoll, gebrauchte geräte wieder zu verwenden.
    mfg
    ulrike massmann

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